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Ready, Set, Go! (Die Letzte)

Good Morning Toronto! Um 05:00 Uhr morgens quälen wir uns nach einer kurzen Nacht aus dem Bett. Ich habe wenig, aber gut geschlafen. Tobi sieht allerdings noch nicht ganz so fit aus. Wir machen uns ohne Frühstück und ohne Kaffee (!) per Shuttle-Service auf den Weg zurück zum Flughafen. Hier kommen wir um 05:55 Uhr an und gehen direkt zum Air Canada Schalter, da wir schnellstmöglich unser Gepäck loswerden möchten. Weil uns die Dame, die uns gestern umgebucht hat, bereits auf den heutigen Flug eingecheckt hat, müssen wir nur noch zum Baggage Drop-off. Eigentlich! Denn hier geht es schon wieder los. Die erste AC-Mitarbeiterin schickt uns zum Transitschalter. Dort angekommen sagt uns eine Flughafenmitarbeiterin dass wir unser Gepäck hier nicht aufgeben können, wir sollen zurück zum AC-Schalter. Ich erwidere dass ich da ja gerade herkomme, was sie aber nicht weiter stört. Also geht’s zurück zum Baggage Drop-off von wo aus wir dann (immer noch mit Gepäck) weiter zu Gate F geschickt werden. Von dort aus schick uns dann ein Flughafenmitarbeiter weiter in die “Lounge 15“, wo wir warten sollen bis unsere Abflugzeit aufgerufen wird. Heute kommen wir uns echt vor wie Asterix und Obelix auf der Suche nach dem Passierschein A38.

Letzten Endes ist es so. Möchte man in die USA einreisen und hat keinen Transitflug (was wir ja nicht mehr haben, da wir gestern unseren verpasst haben), darf das Gepäck erst nach der Immigration aufgegeben werden. Die CBP hat aber wohl immer noch Probleme mit ihrem System, weshalb in “Lounge 15“ das blanke Chaos herrscht. Langsam richtig schlecht gelaunt (kein Frühstück, kein Kaffee) versuche ich mal rauszufinden wie das eigentlich hier so läuft. Tobi hat uns derweil mit unserem Gepäck in Lounge 15 einen Platz am Fenster mit Blick auf den Sonnenaufgang über Toronto besorgt und beantwortet ein paar E-Mails. Heute ist er der Entspanntere und ich könnte schon um kurz von 07:00 Uhr durch die Decke gehen.

Ich finde also heraus, dass momentan – es ist 06:45 Uhr – nur Passagiere abgefertigt werden, deren Abflugzeit 08:00 Uhr oder früher ist. Alle anderen mögen bitte Platz nehmen. Dass wir also pünktlich zum Flughafen gekommen sind bringt und jetzt also gar nix.

Wir fliegen um 08:50 Uhr, Boarding ist um 08:20 Uhr. Mit unserer Erfahrung von gestern wissen wir, dass wir mindestens 90 Minuten für Einreise, Sicherheitskontrolle und den Weg zum Gate einplanen müssen. Es wird also schon wieder knapp, was mir aber jetzt egal ist. Ich gehe erstmal zu Starbucks und hole einen riesigen Cafe-Latte und eine lauwarme Zimtschnecke. Ich brauche jetzt ein Frühstück, ansonsten lege ich mich auf der Stelle in “Lounge 15“ auf den Boden und fange an zu heulen.

Danach geht es mir auf jeden Fall etwas besser und in mir regt sich ein wenig Kämpfergeist. Ich sehe es eigentlich nicht ein auch diesen Flug noch zu verpassten und einen weiteren Tag in Toronto am Flughafen zu verbringen. Also lasse ich Tobi mit unserem Gepäck in seinem mobilen Büro mit Blick auf Toronto sitzen und gehe mit all unseren Brodkarten (mittlerweile sind es je 3 Stück) noch mal zum Transitschalter. Dort erkläre ich der Flughafenmitarbeiterin von vorhin noch mal mein Problem. Und siehe da, Sie sagt ich kann durchgehen. Ich erkläre ihr dass ich nicht alleine bin und wir gleich zu zweit zurück kommen. Als wir dann mit Gepäck wieder vor ihr stehen, schüttelt sie den Kopf und sagt, leider nur ohne Gepäck, ihr müsst zurück in die “Lounge 15“. Da ich aber jetzt echt keine Lust mehr habe in “Lounge 15“ weiter dem Irrsinn zu verfallen, beschreibe ich ihr unsere Odyssee durch den Flughafen von Toronto und sage dass wir von “Lounge 15“ wieder hierher geschickt wurden. Das entspricht zwar nicht ganz der Wahrheit, aber es hilft. Sie sagt: „Yeah, I remember you. You’re here the third time.“ Ja, richtig wir sind wirklich schon das dritte Mal hier! Also verschwindet sie im Transitbereich und spricht hinter einer Glasscheibe mit einer AC-Mitarbeiterin, als diese den Kopf schüttelt und in Richtung “Lounge 15“ zeigt, weiß ich dass das nicht hinhauen wird. Und dann kommen mir die Tränen, aus Wut, aus Erschöpfung, aus Verzweiflung und zugegebenermaßen zu einem gewissen Teil auch aus Berechnung. Als sie zurückkommt blickt sie uns erst schockiert, dann mitleidig an. Anscheinend machen wir echt einen bemitleidenswerten Eindruck, ich schluchzend und mit verheultem Gesicht, Tobi der mir die Schulter tätschelt. Denn nach 20 Sekunden sagt sie: „No worries, I’ll call my Shipping Manager“ Diese lässt uns dann über den Priority Check-In in den Zollbereich und tatsächlich heben wir um 09:50 Uhr in Toronto ab in Richtung St. Louis. Da wir noch auf einige Passagiere gewartet haben, die noch in “Lounge 15“ festhängen, zwar mit einer Stunde Verspätung, aber was ist schon eine Stunde.

5 Kommentare
  1. Mum
    Mum sagte:

    Nach diesem Horror kanns ja nun wirklich nicht mehr schlimmer kommen.
    Also – wie heißt es im Arztjargon (ihr kennt euch da ja aus): Die Krisis ist überstanden – von jetzt an gehts bergauf!
    Lieben Gruß und Kuss

    Antworten
  2. Adn
    Adn sagte:

    Ihr armen!
    Aber jetzt geht’s erst richtig los, jetzt beginnt der gute Teil…
    Nicht zu glauben:
    GoogleNow hat mir euren Blog-Eintrag als wichtige Neuigkeit empfohlen…
    Wir sehen uns bei Skype!

    Antworten
  3. Stefan
    Stefan sagte:

    Hi

    OMG!
    Aber jetzt habt Ihr’s ja geschafft!
    Da graust es mir ja schon vor unserem Trip im Sommer nach NYC und Co…
    Aber vermutlich geht es mit bereits gebuchten Rückflugticket einfacher. 😉
    Lasst es euch gutgehen…

    Grüßle
    Stefan

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