Wahlkater

Als ich am 09. November noch im Bett mein Handy einschalte, trifft es mich wie ein Schlag. Sie haben es tatsächlich getan. Sie haben Ihn zu ihrem Präsidenten gemacht. Der Blick aus dem Fenster verspricht einen wunderbaren Herbsttag. Blauer Himmel, Sonnenschein, vorhergesagte Tageshöchsttemperatur 20 Grad Celsius.

Das Wetter spiegelt auch die Stimmung im Büro wider. Diese ist, wie zu erwarten war, überwiegend großartig. Bis auf einen Kollegen sind hier alle Republikaner und Trump-Unterstützer. Er hat es heute nicht leicht. Zur Feier des Tages gibt es Pizza zum Lunch. Ein Free-Lunch-Wednesday, sozusagen. Der demokratische Kollege zieht es vor seine Mittagspause lieber im Fitness-Studio zu verbringen. Ich kann’s ihm nicht verdenken. Beim Mittagessen wird dann auch klar dass im republikanischen Weltbild offensichtlich nur wenig Platz für andere Meinungen ist, also spare ich mir die Diskussion.

Auch an Tag zwei nach der Wahl ist die Freude über den Sieg des republikanischen Kandidaten noch nicht abgeklungen. Hauptgesprächsthema, ist weiterhin Trump und außerdem was für schlechte Verlierer die Demokraten doch sind, da sie es wagen Anti-Trump Demonstrationen zu veranstalten. Hätten die Republikaner verloren wäre so etwas natürlich nicht passiert.

In den letzten Monaten habe ich wirklich angefangen die Amerikaner und ihre aufgeschlossene und freundliche Art zu mögen. Momentan scheint es mir allerdings, als wäre diese freundliche Art und die Aufgeschlossenheit nur der Zuckerguss unter dem sich jede Menge Ignoranz verbirgt. Der Blick in die sozialen Medien und ein Facebook-Post einer Bekannten, der zu Offenheit gegenüber anderen Meinungen aufruft, versöhnt mich dann doch wieder etwas mit diesem Volk, das ich vermutlich nie ganz verstehen werde.

1 Kommentar
  1. OB
    OB sagte:

    Hallo Michaela,
    ich kann dich sehr gut verstehen!
    In so einer Situation, als Gast im Lande zu sein, ist es eben echt besser sich mit Kollegen bei solchen Diskussionen zurück zu halten auch wenn man die Meinung gar nicht mittragen kann.
    Kopf hoch, Amerika ist wie Russland – großes Land mit sehr vielen Facetten.
    Du findest immer wieder Leute die deine Meinung teilen und auch genug von Leuten die sehr intelligent und vorausschauend sind.
    Die Amerikaner und die Russen sind nur dann demokratisch ( 🙂 ) wenn es sich mit ihren eigenen Interessen deckt.
    Das habe ich leider auch schon zumindest in Russland life erlebt.
    Ganz liebe und heute auch sonnige Grüße aus der Heimat

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