Der Weg von St. Louis nach Chicago – Fünf lange Stunden durch Farmland, Felder, Wiesen, zwischendurch ein Bauernhof mit den typischen Getreidesilos die silbern in der Sonne glänzen. Wer hier fährt, dem wird zwangsläufig die unglaubliche Größe dieses Landes bewusst. Wenn wir von Ulm aus fünf Stunden Richtung Süden fahren, kommen wir irgendwo in Italien raus und haben dabei unter Umständen, Österreich, die Schweiz und vielleicht auch Lichtenstein passiert. 

Wir fahren heute von St. Louis Richtung Norden und durchqueren dabei nur den Bundesstaat Illinois, der Platz 25 im Größenvergleich aller Bundesstaaten einnimmt. Der Grund warum wir diese doch recht langweilige Fahrt auf uns nehmen ist, dass wir Besuch von meiner Schwester Tina bekommen und gemeinsam mit ihr von Chicago aus zu einem einwöchigen Roadtrip um den Lake Michigan starten werden. Dabei werden wir auch einen Abstecher an den Lake Superior machen. Die beiden Seen gehören zu den fünf Großen Seen. Und das stimmt auch, denn der Lake Michigan ist flächenmäßig ca. 110x größer als der Bodensee. Der Lake Superior sogar 150x größer.

Chicago – Racine (25.05.)

Nach einer herzlichen Begrüßung geht’s vom Flughafen Chicago-O’Hare aus noch eine gute Stunde Richtung Norden nach Racine. Dabei überqueren wir auch die Stateline zum Bundesstaat Wisconsin. Ehemals ein verkehrsreicher Hafen, hat Racine mit dem Rückgang der Schifffahrt seine Bedeutung verloren. Dennoch hat sich die Stadt ihr maritimes Flair bewahrt. Wir checken ins Hotel ein und feiern anschließend in einer klitzekleinen Hafenbar unser Wiedersehen.

Racine – Algoma (26.05.)

Ich beginne den Tag mit einem Sprung in den Hotel-Pool. Anschließend schlendern wir ein wenig am Hafen entlang bevor wir unseren Roadtrip in Richtung Milwaukee fortsetzten. Hier erkunden wir die Stadt und den Riverwalk an dem sich zahlreiche Brauereien, Bars und Restaurants aneinanderreihen. Milwaukee wird auch als Hauptstadt der Deutschen in Amerika bezeichnet. Hier gibt es neben einem deutschen Metzger auch ein Restaurant im Schwarzwald-Stil. Wir beschließen allerdings die deutsche Kultur heute auszulassen und genießen die Sonne bei einem Bier auf der Terrasse einer Brauerei am Riverwalk.

Unser nächster Stopp ist Port Washington, ein ehemaliges Fischerdorf. Hier gönnen wir uns ein Eis und schlendern ein bisschen am Hafen entlang. Dabei bekommen wir auch zu sehen wie ein ziemlich großes Boot mittels LKW ins Wasser gelassen wird. Einige Meilen weiter halten wir nochmals an und springen an einem sandigen Strand in den Lake Michigan. Nun ja, zugegeben Tina springt hinein, ich traue mich zumindest bis zu den Kniekehlen, Tobi bleibt ganz trocken. Das Wasser ist mit knapp 12°C aber auch echt kalt. Anschließend schauen wir uns noch einen der vielen Leuchttürme die am Ufer des Lake Michigan stehen an. Tagesziel für heute ist Algoma. Hier checken wir im Beachside Motel ein und bekommen ein Zimmer mit Blick auf den See und privatem Strand. Im nahegelegenen Supermarkt versorgen wir uns mit einer Brotzeit und machen uns einen gemütlichen Abend. Als später über dem See ein Gewitter aufzieht, bekommen Tina und ich noch die Möglichkeit unsere Fotokünste auf die Probe zu stellen und ein paar Blitze zu fotografieren.

Algoma – Twelve Foot Falls (27.05.)

Auf unserem Weg Richtung Norden machen wir einen kleinen Schlenker durchs Door County, eine Halbinsel auf der Wisconsin Seite des Lake Michigans. Kurz und ehrlich gesagt waren wir alle ein wenig enttäuscht. Auf der Ostseite Farmland, auf der Westseite Tourismus. Als Entschädigung lassen wir uns in Sturgeon Bay einen leckeren French Toast mit Door County Mapel Syrup schmecken. Gut gestärkt geht es anschließend weitere zwei Stunden Richtung Norden, wo wir am frühen Nachmittag wörtlich gesprochen unsere Zelte unweit der Twelve Foot Falls aufschlagen. Um hier her zukommen ruckeln wir etwa 8 Meilen über eine ungeteerte Straße direkt in die Wälder Wisconsins. 

Den Nachmittag verbringen wir mit Baden im Becken des Twelve Foot Falls, Drohne fliegen und Kubb spielen. Abends gibts leckere Nudel mit Tomatensauce und den ein oder anderen Rum-Cola. Den Havanna dafür hat Tina für uns importiert. Aufgrund des Handelsembargos mit Kuba ist Havanna Club hier nur sehr schwer zu bekommen.

Twelve Foot Falls – Munising (28.05.)

Die Stimmung heute morgen ist eher durchwachsen. Katerstimmung bei Tobi und zu allem übel hat es heute Nacht geregnet. Dass heißt unsere Zelte und auch alles andere ist nass. Blöd! Wir frühstücken im Stehen und fangen dann an auf dem geteerten Parkplatz nahe des Zeltplatzes unsere Sachen in der Sonne zu trocknen und zusammenzupacken. Statt einer Dusche nehmen Tina und ich ein letztes Bad im Strudelbecken des Wasserfalls bevor es dann weitergeht nach Munising am Lake Superior geht. Bei der Fahrt dorthin verlieren wir eine Stunde, da die Zeit von Central Standard Time (CST) auf Eastern Standard Time (EST) umgestellt wird. Wir checken in einem sehr liebevoll eingerichteten Motel ein und fahren dann zum Pictured Rock National Lakeshore Park. Dieser erstreckt sich über 67 km entlang der Küste des Lake Superior und ist bekannt für seine farbenprächtigen Sandsteinklippen.

Hier machen wir eine kleine Wanderung zu einem schönen Sandstrand von dem aus man schon die ersten Klippen erspähen kann. Abends nehmen wir dann noch an einer Schiffsfahrt teil, die uns die beeindruckende Steilküste von der Seeseite her zeigt. Leider wird es, sobald die Sonne untergeht, kalt und wir brauchen bis lange nach dem Abendessen bis wir wieder einigermaßen aufgetaut sind.

 

4 Kommentare
  1. Sonja
    Sonja sagte:

    Tolle Fotos, ihr Lieben!! Bei Katerstimmung musste ich grad an unser gemeinsames Skiwochenende denken ?
    Ganz viele Grüße von Martin und mir

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