Freitag, 21. Dezember 2018

Happy Anniversary, Happy Holidays und Aloha!

Weihnachten steht vor der Tür und uns statt wie üblich 11 Stunden in ein Flugzeug Richtung Osten zu zwängen, sitzen wir nicht weniger eingeklemmt in einem Flieger Richtung Westen. Vor uns liegen ebenfalls 11 Flugstunden, aber wenn wir die abgesessen haben kommen wir eben nicht wie üblich im kalten München sondern im sonnigen Kona auf Hawai’i an. Das sind doch wunderbare Aussichten für das Fest der Feste und – mal ganz ehrlich – hätten wir uns zu unserem dreijährigen Ehejubiläum ein besseres Geschenk machen können? Wohl kaum.

Tobi legt die übliche “Wir fahren jetzt dann in den Urlaub”-Nervosität an den Tag und das macht die Abreise für mich natürlich nicht entspannter. Doch irgendwann mitten über dem Pazifik, kurz vor der Landung in Hawai’i stellt sich tatsächlich so etwas wie Entspannung ein und ich fange an mich auf die nächsten zwei Wochen zu freuen.

Schon die ersten Stunden auf Big Island sind wunderbar spannend. Vom Flughafen im Westen aus führt uns unser Weg einmal quer über die Insel nach Hilo im Osten. Auf der eineinhalb stündigen Fahrt bekommen wir bereits einen ersten Eindruck von der Vielfalt Hawai’i’s. Die Straße Richtung Hilo steigt vom Flughafen an der steinigen Küste stetig steil an. Auf den ersten Blick wirkt die Gegend tropisch, unter das viele Grün der Palmen, Bäume und Büsche mischen sich die farbenfrohen Blüten. So stellen wir uns die Karibik vor. Kurze Zeit später durchqueren wir eine grüne Hügellandschaft, die uns dann wiederum an Schottland oder Irland erinnert.

Nach 45 Minuten Fahrt befinden wir uns auf einer Art Hochplateau auf ca. 2000 Meter über dem Meeresspiegel. Die Temperaturen sind auf dem Weg hierher von 24°C auf 14°C gefallen und auf beiden Seiten der Straße erstrecken sich weite Lavafelder. Diese schroffe Landschaft in Verbindung mit der hereinbrechenden Dämmerung und dem aufziehenden Nebel wirkt beinahe gespenstisch. Hier haben wir dann auch den höchsten Punkt unserer heutigen Route erreicht und bis nach Hilo geht es stetig bergab, was sich auch deutlich am Spritverbrauch unseres Jeeps bemerkbar macht.

In Hilo angekommen checken wir in unser erstes Airbnb ein. Für uns ist es tatsächlich das aller erste Mal, dass wir Airbnb nutzen und wir sind reichlich aufgeregt. Grundlos, wie sich schnell herausstellt. Die Unterkunft ist wunderschön und Pam unsere Gastgeberin supernett. Sie lädt uns auch gleich zu ihrer Sonnwendfeier ein, die an diesem Abend bereits voll im Gange ist. Wir lehnen allerdings dankend ab, da wir nach 16 Stunden Anreise einfach unsere Ruhe brauchen.

 

Samstag, 22. Dezember 2018

Lava oder keine Lava? – Das ist hier die Frage.

Nach einer sehr erholsamen Nacht werden wir gegen 5:00 Uhr wach. Wir sind nicht sicher, ob uns das Krähen der Hähne die hier irgendwo in der Nachbarschaft leben geweckt hat oder ob das frühe Erwachen doch eher Symptom unseres Jetlags ist. Wie auch immer, wir wollen den Tag nutzen und uns den Volcano National Park (VNP) ansehen.

Seit 1983 fließt aus dem Kilauea kontinuierlich Lava – oder besser gesagt floss, denn im Mai diesen Jahres hat sich der Lavasee im Krater des Kilauea nach zahlreichen Erdbeben komplett geleert. Daher leider keine fließende Lava für uns, dafür aber neues Land für Big Island. Denn wenn sich die Lava ihren Weg über die Insel bahnt, zerstört sie nicht nur, sondern erweitert auch die Landmasse der Insel kontinuierlich. „Creation in Progress“, sozusagen.

Der Weg zum VNP führt uns über den Highway 11 durch tropische Wälder in Richtung Südwesten, vorbei an Orchideen-Farmen und Macadamianuss-Plantagen. Im VNP angekommen stoppen wir zunächst am Besucherzentrum, welches allerdings noch geschlossen hat. Wir beschließen schon mal einen ersten Blick auf den Krater zu werfen und uns die „Steam Vents“, aus denen rund um den Krater heißer Wasserdampf kommt, anzusehen. Anschließend fahren wir nochmal zurück zum Besucherzentrum um uns zu erkundigen welche Teile des Parks geöffnet sind. Denn nach den jüngsten Ereignissen im Mai sind zahlreiche Zufahrten und Wege aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Zurück am Besucherzentrum sind wir allerdings etwas überrascht, als wir neben dem Schild, das die Öffnungszeiten angibt, einen Zettel entdecken auf dem steht “Closed until further notice”. Vor dem Eingang steht eine Mitarbeiterin des National Park Service die bereits hitzig mit einem Mann mittleren Alters diskutiert. Wie wir erfahren bleibt der VNP auf unbestimmte Zeit aufgrund des Government Shutdowns* geschlossen. Der einzige Teil der zugänglich ist, ist der Krater-Aussichtspunkt, die „Steam Vent“ (was wir beides ja bereits besucht haben) und die Schwefelbänke in der Nähe des Besucherzentrums. Na prima! Vielen Dank, Mr. President!

Wir schauen noch schnell an den giftgelben Schwefelbänken vorbei, bevor wir den VNP verlassen und uns in Volcano Village ein kleines Cafe suchen, in dem wir uns bei einem zweiten Frühstück einen Alternativplan überlegen. Eine halbe Stunde später sind wir unterwegs nach Kalapana, einem ehemaligen Badeort, der 1990 bis auf wenige Häuser komplett von der Lava zerstört wurde. Unser GyPSy Audio-Guide** weißt uns darauf hin, dass die Menschen die dort leben lieber unter sich bleiben und daher keine Audio-Tour zu diesem Teil der Insel steht.

Wir lassen uns weder davon, noch von dem Schild “Public Traffic only between 3:00 and 9:00pm” (es ist 11:30am) aufhalten und fahren auf einer Schotterpiste zwischen den Lavabergen hindurch. Vereinzelt ragen kleine Häuser und windig zusammengeschusterte Hütten wie kleine Inseln aus einem schwarzen Meer aus erkalteter Lava. Ja, besonders einladend wirkt das alles nicht und die Schilder “Keep out, private property” und “No Trespassing” rechts und links der Straße tragen nicht gerade zu unserer Beruhigung bei. Da kommen wir plötzlich an einer Einfahrt vorbei die mit einem Schild “Lava-Info, Tourists welcome!” versehen ist. Wir sind zunächst ein bisschen skeptisch, geben uns dann aber einen Ruck und fahren zu dem kleinen grauen Häuschen vor dem ein Mann, Ende 50, sitzt und uns bereits zuwinkt. Als wir aus dem Auto steigen, kommt er strahlend auf uns zu und stellt sich als Gary vor.

Gary lebt seit knapp 15 Jahren hier in Kalapana und hat bereits ein Haus an die Lava verloren. Er ist Schreiner, Fotograf, Lebenskünstler und Lavafanatiker. Über eine Stunde sprechen wir mit ihm über Lava, die Göttin Pele, den Vulkan und sein Leben hier in Kalapana. Wir erfahren wie es ist wenn man zusieht wie sein eigenes Haus innerhalb von einer Stunde von der Lava zerstört wird während man daneben steht und dass man darüber nicht unbedingt traurig sein muss, wenn man das Ganze als „Creation in Progress“ versteht.

Als wir nach einer guten Stunde Gary wieder verlassen sind wir beeindruckt und um die Erfahrung reicher, dass es sich doch manchmal lohnt ein wenig abseits der ausgetretenen Pfade zu wandeln.

Deshalb, Thank you, Mr. President! 😉


*Als Government Shutdown wird in den USA die Lage bezeichnet, in der die Behörden der US-Regierung ihre Tätigkeit zu großen Teilen einstellen und nur noch die als unerlässlich angesehenen Aufgaben erledigen. Grund dafür ist dass der Haushalt für das kommende Jahr noch nicht beschlossen ist und so die rechtliche Grundlage für die Bewilligung von Haushaltsmitteln ausläuft. Im momentanen Haushaltsstreit geht es um die Finanzierung der von Präsident Trump versprochenen Mauer an der Grenze zu Mexiko, die nach den ursprünglichen Vorstellungen des Präsidenten ja vom mexikanischen Staat bezahlt werden sollte. Leider hat Herr Trump die Rechnung ohne die Mexikaner gemacht und so muss er nun das Geld für den Bau seiner Mauer von den US-Steuerzahlern beschaffen.

**GyPSy ist eine App die quasi als Tour-Guide funktioniert. Mittel GPS weiß die App wo man sich gerade so rumtreibt und eine freundliche Männerstimme erzählt Wissenswertes über die jeweilige Gegend bzw. gibt nützliche Tipps zu bestimmten Sehenswürdigkeiten und interessanten Plätzen. Wir haben unseren Gypsy sehr lieb gewonnen und er ist ein immer willkommener und sehr unterhaltsamer Mitreisender.

 


Kalapana und Gary Sleik in einer 3Sat-Doku (ab Minute 6:33)


Unsere Bilder

2 Kommentare
  1. Tina
    Tina sagte:

    Hey ihr zwei,

    Weihnachten hätte ich definitiv auch da verbringen können :))) schaut echt verrückt aus mit der Lava.
    Der Bericht von 3 Sat ist interessant. Habt ihr euch nach der Grundstückspreisen erkundigt? Am Arsch der Welt aber mit high speed Internet. Da könntest du auch Home Office machen, Micha :)))))

    Noch 78 Tage bin gespannt was noch an Beiträgen folgt.

    Viel Spaß noch

    Lg Tina

    Antworten
    • Micha
      Micha sagte:

      Hey Tina,

      ja das war definitiv ein etwas anderes Weihnachten 🙂
      Haben uns nicht nach den Grundstückspreisen erkundigt… Wir kommen jetzt erstmal zurück ins kalte, verschneite Deutschland! 😉

      Viele Grüße!

      Antworten

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