Gestern Abend habe ich mich vom schrillen Konzert der Coqui Frösche in den Schlaf fiepen lassen. Zuerst dachten wir die schräge Symphonie kommt von Vögeln die in den Bäumen sitzen, aber Google hat uns eines besseren belehrt – es sind Frösche. Wie auch immer, heute morgen wecken mich dann um kurz nach 5:00 Uhr wieder die Hähne, oder waren es doch die Rückenschmerzen? Wer weiß das schon.

Wir lassen es ruhig angehen, da wir mit schlechtem Wetter rechnen. Eigentlich sollte es schon die ganze Nacht regnen, tat  und tut es bisher aber nicht. Als nach dem Frühstück um kurz nach 9:00 Uhr immer noch kein Regen in Sicht ist, machen wir uns auf um die Hamakua Coast nördlich von Hilo zu erkunden.

Bald nach dem wir Hilo verlassen haben, empfiehlt uns unsere GyPSy-App einen Scenic Byway der vom Highway abzweigt und uns direkt in den Dschungel führt. Und das meine ich jetzt nicht übertrieben. Rechts und links der schmalen Straße stehen 25-30 Meter hohe Bäume deren Baumkronen ein dichtes Blätterdach bilden. Als wir hineinfahren wird es merklich dunkler und ich bin mir sicher, selbst wenn es jetzt anfangen würde zu regnen würden wir das erstmal nicht merken.

Die Straße windet sich einen Berg hinauf und zwischendurch kann man einen Blick aufs tiefblaue Meer erhaschen.  Mr. Gypsy empfiehlt eine kurze Wanderung über den Donkey-Trail zur Onomea Bay zu machen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und schnüren die Wanderstiefel. Der Pfad führt über Wurzeln und Steine hinweg durch einen tropischen Wald mit Palmen und wilden Kaffee- und Bananenbäumen.

Nach einem kurzen Abstieg erreichen wir die Onomea Bay in der der Pazifik mit gewaltiger Brandung anlandet. Ein beeindruckendes Bild wenn die weiße Gischt über die schwarzen Felsen spritzt. Wir sind alleine und nehmen uns Zeit, ich fürs Fotografieren und Tobi für seine Drohne.

Nach etwa einer Stunde geht es mit dem Auto weiter zu den Akaka Falls die sich über eine glatte Felswand mehrere hundert Meter in die Tiefe stürzen. Zu den Wasserfällen gehört auch ein schön angelegter Spazierweg auf dem man schön ein wenig schlendern und prima die exotischen Pflanzen am Wegesrand inspizieren kann. Palmen, mannshohe Farne, riesige Bambusstauden und Klettergewächs mit großen roten und gelben Blüten, alles was man eben so braucht für einen exotischen Garten.

Nach unserem botanischen Spaziergang geht es weiter zum Waipio Valley. In das Tal selbst gelangt man nur über eine schmale Straße mit 25% Steigung und Mietwagenverträge schließen das Befahren dieser Straße kategorisch aus. Wir genießen deshalb den Blick auf die Steilklippen der Küste und fahren dann weiter durchs Farmland mitten ins Herz der hawaiianischen Viehzucht, nach Waimea. Die Gegend um die kleine Stadt ist vor allem für Rinderzucht bekannt, aber auch Schafe und Ziegen gibt es hier häufig zu sehen. Wir kommen uns gleich wieder wie in Schottland vor. 

Von Waimea aus geht es zur Westküste und auf dem Weg dorthin wird wieder deutlich warum auf Big Island von der grünen und der braunen Seite gesprochen wird. Kurz nach Waimea beginnt die Landschaft karger und schroffer zu werden und nach 15 Minuten Fahrt befinden wir uns mitten in einem Feld aus trockenen Büschen und steinigen Hügeln. Bis zur Küste ist es nicht weit und wir fahren auf dem Highway bis dieser den Zugang zur Saddle Road kreuzt.

Die Saddle Road verbindet den Westen und den Osten der Insel. Wir haben diese Verbindung bereits am Freitag genutzt als wir vom Flughafen nach Hilo gefahren sind.

Von der Saddle Road zweigt etwa auf der Hälfte, die Zugangsstraße zum Mauna Kea, dem höchsten Berg auf Hawai’i ab. Wir nehmen die Abzweigung und von da an geht es etwa eine Stunde steil bergauf. Das letzte Stück ist nicht geteert und selbst mit unserem Jeep eine echte Rumpel-Partie. Aber dieser harte Anstieg hat sich gelohnt. Wir sehen hier, dick eingepackt in unsere warmen Klamotten, einen der spektakulärsten Sonnenuntergänge unseres Lebens. Wir sind auf 4.182 Meter, die Sonne versinkt nicht im Meer sondern in den Wolken und zaubert dabei ein sensationelles Farbenspiel an den Himmel.

Nach diesem großartigen Schauspiel bleiben wir noch ein wenig im Auto sitzen und essen unser Mitgebrachtes Ahi Poke. Als die Nacht hereinbricht wird uns dann auch klar warum hier oben Teleskope im Wert von über 1 Billion Dollar stehen. Der ganze Himmel funkelt wie ein Diamant, oder eher wie tausend Diamanten. Ein beeindruckender Anblick, der einem bewusst macht wie klein und unbedeutend wir eigentlich sind.

 

4 Kommentare
  1. Hans
    Hans sagte:

    Hallo Micha, hallo Tobi,
    mich freut es jedes mal wenn ich eure guten Berichte lesen und die schönen Fotos sehen kann.
    Super was ihr 2 so alles unternehmt. Genießt eure restliche Zeit bis ihr wieder in „good old Germany“ seid.
    Bis bald.

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    • Tobi
      Tobi sagte:

      Hallo Hans, wir freuen uns über jeden einzelnen Kommentar und dass dir die Beiträge gefallen. Die restlichen Wochen bis good old Germany werden nochmal stressig. Bis bald!

      Antworten

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