Anfang September mache ich mich auf nach New York City (NYC) um mich dort mit meinem lang ersehnten Besuch aus Deutschland (Mama und Schwester Vroni) zu treffen. Die beiden haben die weite Reise auf sich genommen und sind bereits vor einer Woche in Washington gelandet. Leider zunächst zwar ohne Koffer, aber gut, Verluste gibt es eben immer.

Am Freitagabend steige ich also in St. Louis ins Flugzeug und nach einem echt spektakulären Nachtanflug vorbei an der Skyline Manhattans lande ich wenig später in LaGuardia. Mit Frank Sinatras „New York, New York“ im Ohr mache ich mich auf den Weg zum Gepäckband. Mein Koffer ist glücklicherweise mit mir in NYC gelandet und so verlasse ich das Flughafengebäude um mir ein Uber (privater und kostengünstigerer Taxidienst) zu rufen. Leider funktioniert das allerdings hier am Flughafen etwas anders als üblicherweise, ich muss zunächst mit dem Bus zu einer Art Uber-Haltestelle fahren und von dort aus kann mich dann mein Uber-Fahrer aufsammeln. Klingt alles ziemlich kompliziert, zumal ich nicht genau weiß, wo dieser Bus wegfährt. Die Wartezeit für ein reguläres Taxi liegt bei 35 Minuten und nachts alleine mit der U-Bahn eine Stunde durch die halbe Stadt zu gurken ist jetzt auch nicht wirklich eine Option. Während ich meine Möglichkeiten abwäge, hält neben mir ein schwarzer SUV an und der Fahrer fragt, ob ich ein Uber brauche. Perfekt! Er verlädt meinen Koffer und meine Kameratasche in den Kofferraum und ich hüpfe in den Wagen, denn hinter uns wird schon wild gehupt, da er mit seinem Riesenkarren die Durchfahrt versperrt. Als die Autotüre zufällt und sich der Wagen in Bewegung setzt, realisiere ich erst was ich da gerade gemacht habe. Ich habe mich zu einem wildfremden Typen, der mich irgendwo am Flughafen aufgegabelt hat, ins Auto gesetzt. Holy Shit! Was, wenn der gar kein Uber-Fahrer ist! Okay jetzt nicht gleich durchdrehen! Immerhin hast du dein Pfefferspray (ein Weihnachtsgeschenk von Papa) dabei, versuche ich mich zu beruhigen. Bringt leider nichts, denn ich stelle im nächsten Moment fest, dass das Pfefferspray, das ich so erfolgreich durch zahlreiche Flughafensicherheitskontrollen geschmuggelt habe, in meiner Kameratasche im Kofferraum ist. God damn it, Micha! Ich schicke Tobi eine Nachricht und teile meinen Standort mit ihm, so kann er in Echtzeit meinen Weg durchs dunkle NYC verfolgen. Zur Sicherheit mache ich noch ein verschwommenes Foto von Fahrer und beschreibe ihm den Wagen. Das war natürlich keine gute Idee, denn die nächsten 30 Minuten werden die bisher wahrscheinlich längsten in Tobis Leben gewesen sein. Letztendlich habe ich es bis zum Hotel geschafft – ohne Zwischenfälle und ohne den Einsatz von Pfefferspray. Doch durch diese ganze Aufregung und vor allem aber durch Tobis anschließende Standpauke ist klar, dass mir das kein zweites Mal passieren wird. Versprochen!

Im Hotel angekommen herrscht natürlich erst mal große Wiedersehensfreude, schließlich haben wir uns schon seit einigen Monaten nicht mehr gesehen. Wir quatschen also noch eine ganze Weile, gehen dann aber bald ins Bett. Schließlich liegt uns für die nächsten zwei Tage New York zu Füßen – und wir haben einiges vor.

Samstagmorgen – wir verlassen das Hotel mit einem klaren Ziel. Starbucks. Kaffee wird in den nächsten Wochen das bestimmende Thema sein, denn meine Mutter läuft nicht ohne. Zum Glück gibt es hier nahezu an jeder Ecke eine Filiale der Kaffeekette aus Seattle und so sorgen wir mit unserem exorbitanten Konsum in der nächsten Zeit vermutlich dafür, dass die Starbucks Aktie durch die Decke geht.

Mit unseren Kaffeebechern in der Hand machen wir uns auf den Weg zur U-Bahn und fahren zum Times Square. Von hier aus startet eine Doppeldeckerbus-Tour mit der wir unsere NYC-Erkundung starten wollen. Als wir aus der U-Bahn-Station wieder ans Tageslicht treten bin ich beeindruckt, überwältigt und auch ein bisschen überfordert. Um uns herum, Hochhäuser, blinkende Leuchtreklamen, hupende Autos und umher hetzende Menschen. Und vom ersten Moment an weiß ich, dass zwei Dinge die mir im Vorfeld meines Trips über NYC erzählt wurden definitiv stimmen. 1. Das Leben spielt sich hier in einem anderen Tempo ab als im Rest der USA und 2. ein guter Ratschlag: „Stay out of everyones way!“. Auch wenn das beides auf den ersten Blick nicht besonders positiv klingt, ich finde es großartig!

Wir besteigen also einen der vielen Doppeldeckerbusse. Unsere Tour führt uns vom Times Square aus Richtung Norden zum Columbus Circle. Die darauf befindliche Statue von Christoph Columbus bildet, laut unserem Tour-Guide, den Referenzpunkt wenn es darum geht Distanzen von bzw. nach NYC zu messen. Von Wollmetshofen aus sind es übrigens 6.416,97 km. Außerdem markiert der Columbus Circle auch den Eingang zum Central Park, an dessen Westseite wir nun eine ganze Weile entlang fahren und die Upper Westside an uns vorbeiziehen lassen. Weiter im Norden liegt an den Ufern des Hudson Rivers das General Grant National Memorial, ein Mausoleum, in dem sich die sterblichen Überreste von Ulysses S. Grant, dem 18. Präsident der Vereinigten Staaten befinden und das heute als Museum dient. Von hier aus geht es durch den Stadtteil Harlem nach Osten bis wir auf die 5th Avenue treffen. Hier am Ostrand des Central Parks reihen sich zahlreiche und namhafte Museen, unter anderem das Guggenheim Museum und das Metropolitan Museum of Art (MET). Hier steigen wir aus, denn das wollen wir uns ein wenig genauer ansehen. Leider ist unsere Zeit natürlich viel zu knapp bemessen für einen ausgiebigen Museumsbesuch, aber unser persönliches Highlight befindet sich auch gar nicht im, sondern viel mehr auf dem Museum. Von der als Skulpturenpark angelegten Dachterrasse hat man einen phänomenalen Ausblick auf Manhattan und das aus dem nahegelegenen Central Park leise Saxophonklänge zu uns herauf wehen macht diesen Anblick nahezu perfekt.

In den nächsten eineinhalb Tagen werden wir noch etliche Meilen mit dem Bus zurücklegen, jede Menge Sehenswürdigkeiten und eindrucksvolle Gebäude bestaunen. Wir werden mit dem Schiff zur wohl berühmtesten Sehenswürdigkeit New Yorks, der Freiheitsstatue fahren, bei Tiffanys Verlobungsringe bestaunen und mit einem Aufzug in wenigen Sekunden das Empire State Building erklimmen. Das alles war großartig, aber was mich persönlich am meisten beeindruckt und emotional berührt hat war ein kleines Museum unweit des Ground Zero, gegründet von den Hinterbliebenen und Überlebenden der Anschläge der 11. September. Beeindruckend weil es die verblassten Erinnerungen an diese schrecklichen Ereignisse wieder schärft und berührend weil dieses Museum aus den 2753 Opfern Menschen macht. Personen die jeden Tag in einem der Twin Towers gearbeitet haben oder mit stolz ihren Dienst bei der Feuerwehr oder anderen Rettungskräften getan haben und von denen am Ende nicht mehr als ein zerfetzter Rucksack oder ein einzelner verkohlter Stiefel übriggeblieben ist.

6 Kommentare
  1. Vroni
    Vroni sagte:

    New York war einfach toll!
    Danke nochmal für die schöne Zeit und dass wir euer Gästezimmer belegen durften ?
    Ich hoffe es folgen noch weitere Einträge von unserem Trip!

    Antworten
    • Micha
      Micha sagte:

      Jaaa! New York war echt super… Unser Gästezimmer steht euch jederzeit wieder offen, haben uns so gefreut, dass ihr da wart!!!
      Weitere Einträge folgen natürlich! 🙂

      Antworten

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