, ,

NOLA – Part 1

Der Wasserkessel pfeift in einem ohrenbetäubend-schrillen Ton. Ich nehme ihn vom Herd und gieße meinen Tee und Tobi’s Kaffee auf. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es ist kurz nach Mitternacht. Fast wie früher wenn wir zum Familienurlaub nach Kroatien aufgebrochen sind.

Ich packe die letzten Sachen aus der Küche zusammen. Getränke, überwiegend mit hohem Koffeingehalt, Knoppers und ein bisschen Obst. Ich fische den Teebeutel aus meiner Tasse als Tobi aus der Dusche kommt. Schweigend sitzen wir nebeneinander and der Frühstückstheke und schlürfen aus unseren Tassen.

Der erste Stopp nach drei Stunden ist ein fliegender Fahrerwechsel. Ich setzte mich hinters Steuer, stöpsle meine Kopfhörer ein und los geht’s. Nach fünf Minuten schläft Tobi neben mir und nach gut zwei Stunden wird wieder gewechselt. Als ich das nächste Mal wach werde, ist es bereits hell und Tobi lauscht gespannt seinem Hörbuch während wir mit 125 km/h Richtung Süden tuckern. Nach insgesamt 10,5 Stunden Fahrt haben wir die knapp 1100 Kilometer bis nach New Orleans hinter uns gebracht.

Nach einem ordentlichen Frühstück in einem Café am Stadtrand und einem kleinen Spaziergang am Mississippi sind wir bereit NOLA, wie New Orleans auch häufig genannt wird, zu erkunden. Dafür haben wir uns dieses Mal etwas besonderes ausgesucht. Wir nehmen nämlich an einer 3-stündigen Segway Tour teil. Während der Tour bekommen wir einen ersten Eindruck von der Stadt und einige Ideen was sich weiter zu erkunden lohnt.

Es macht richtig Spaß mit diesem doch recht ungewöhnlichem Gefährt durch die schmalen Straßen, vorbei an den wunderschönen viktorianischen Häusern zu flitzen. Außerdem erfahren wir von unserem Tour-Guide einige spannende Dinge über die Stadt und deren Geschichte.

New Orleans hat eine multikulturelle Geschichte. 1718 wurde die Stadt von den Franzosen unter dem Namen La Nouvelle-Orléans (zu Ehren von Philipp II., Herzog von Orléans) gegründet. New Orleans lag damals in der französischen Kolonie Louisiana, die sich von den Großen Seen im Norden bis zum Golf von Mexiko im Süden erstreckte.

Etwa um die selbe Zeit wurde der Beschluss gefasst, zur Förderung der Plantagenwirtschaft schwarze Sklaven nach Louisiana zu importieren. Von 1719 bis 1753 wurden 6000 Sklaven aus Afrika in die Kolonie gebracht um auf den nun entstehenden Tabakplantagen zu arbeiten. Damit beginnt das düstere Kapitel der Sklaverei, die unabhängig von wechselnden Kolonialherren oder dem Status als US-Bundesstaat die Geschichte der afroamerikanischen Bevölkerung Louisianas bestimmte.

Nach über 40 Jahren gaben die Franzosen 1762 ihre gesamten kolonialen Ambitionen in Nordamerika auf und sagten ihre Kolonie Louisiana Spanien zu. Worauf Louisiana, und damit auch New Orleans, 40 Jahre lang unter spanischer Herrschaft stand.

Im Jahr 1800 brachte Napoleon Bonaparte Louisiana wieder unter französische Kontrolle, nur um es dann drei Jahre später an die damals noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika zu verkaufen. Der Kaufvertrag dafür wurde übrigens in St. Louis unterschrieben.

New Orleans ist also ein bunter Mix aus unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen – französisch, spanisch, amerikanisch und afroamerikanisch. Das macht sich nicht nur im Erscheinungsbild der Stadt bemerkbar, sondern auch im Essen und so lassen wir uns am Abend in einer kleinen Hafenkneipe im Stadtteil Algiers Point eine leckere Meeresfrüchte-Platte schmecken.

Tag 2 startet mit einem Feueralarm im Hotel, der sich glücklicherweise nach 5 Minuten als Fehlalarm herausstellt. Puhh, so eine Aufregung und das am frühen Morgen.

Nachdem wir uns ein wenig beruhigt haben machen wir uns auf den Weg Uptown, wie das Stadtzentrum von NOLA genannt wird. Hier holen wir uns erstmal ein Ticket für die Straßenbahn, die hier Streetcar genannt wird. Leider kapieren wir nicht, dass der Automat nicht wechselt sondern Rückgeld nur in Form von Wertmarken ausspuckt. So zahlen wir für die zwei Tagespässe statt $6 eben $20. Mist!

Nach diesem Vorfall haben wir erstmal keine Lust zum Streetcar fahren und machen deshalb einen ausgedehnten Spaziergang. Zunächst am Mississippi entlang und anschließend durch das French Quarter zum French Market. Von hier aus nehmen wir die Royal Street, die gespickt ist mit jeder Menge kleiner Boutiquen und Kunstgalerien. Tagsüber werden hier regelmäßig Abschnitte der Straße gesperrt um Vorführungen jeglicher Art zu ermöglichen und so kommen wir auch in den Genuss eines kleinen Blues-Konzerts.

Nach einem leckeren Mittagssnack im Port of Call, einer richtigen Seemannskneipe, machen wir uns mit dem Streetcar auf ins Garden District. Dieser Teil der Stadt ist vor allem für die viktorianischen Villen aus dem frühen 19. Jahrhunderts bekannt. Außerdem befindet sich hier auch die Lafayette Cemetery, einer der vielen Friedhöfe von New Orleans. Die Besonderheit dabei, in NOLA werden Tote nicht unterirdisch sondern in oberirdischen Mausoleen bestattet. Einigen von diesen sind über 200 Jahre alt und auf vielen sind sehr Deutsch klingende Namen zu lesen. Wir verbringen hier einen großen Teil unseres Nachmittags bevor wir mit dem Streetcar zurück zur Canal Street im Stadtzentrum fahren.

Den Tag lassen wir in der Bourbon Street, der Party-Meile NOLA’s ausklingen. Nach dem ganzen Gelaufe sind wir allerdings ziemlich fertig und so verschieben wir unsere wilde Party-Nacht auf den morgigen Abend. Wir kaufen uns aber dennoch an einem To-Go-Stand ein Huge Ass Beer (32oz) und schlendern gemütlich an den Bars und Kneipen vorbei.

 

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.